Interview mit Esther Roman, PageGroup HR Director
Das Top Employers Institute hat die PageGroup in mehreren europäischen Ländern ausgezeichnet, einige davon zum wiederholten Mal. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass man Sie als „Top Employer“ auserwählt hat, also als ausgezeichneten Arbeitgeber? 

Die PageGroup verändert weiterhin das Leben von Menschen, indem wir ihnen helfen, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Unsere Mitarbeiter und ihr Karriereweg stehen im Mittelpunkt dessen, was wir tun. Wir bauen unsere gesamte HR-Strategie um sie herum. Das beginnt mit der Art und Weise, wie wir sie an Bord holen, an uns binden und das Zugehörigkeitsgefühl stärken. Es beinhaltet das Performance-Management bei der Unterstützung des gewünschten Karriereweges und geht darüber hinaus. Wir pflegen eine Kultur, die Teilhabe fördert und sicherlich zu unserem Erfolg beiträgt.

Hat sich Ihrer Meinung nach die Rolle des Arbeitgebers in den letzten fünf bis zehn Jahren verändert?

Definitiv! Ein Angestellter hat heute höhere Erwartungen an ein Unternehmen. Es genügt nicht mehr, die gewünschten Aufgaben klar zu kommunizieren und am Ende des Monats ein angemessenes Gehalt zu überweisen. Heutzutage ist es genauso wichtig, dass man Konditionen bietet, die dem Mitarbeiter erlauben zu lernen, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.  

Kulturelle Veränderungen haben einen hohen Einfluss darauf, wie wir unsere Mitarbeiter gewinnen und halten können. Das gilt für Erwartungen, Motivation und vieles mehr. Für uns als Arbeitgeber ist es daher wichtig, dass wir unseren Angestellten zuhören und uns in eine Lage versetzen, in der wir voraussehen können, was auf uns zukommt und welche Auswirkungen es haben wird. Nur so können wir uns rechtzeitig vorbereiten.

Die digitale Welt nimmt immer mehr Raum ein. Zunehmende Transparenz und Erreichbarkeit sind die Folgen. Erwachsen daraus zusätzliche Herausforderungen für die Unternehmen? 

Prinzipien wie Integrität und Vertrauen werden wichtiger. Im Netz können die Leute ganz leicht überprüfen, ob ein Unternehmen seinen Werten auch wirklich gerecht wird. Neben der Stellenbeschreibung und der Vergütung achten Arbeitnehmer auch auf die Unternehmenskultur und andere Faktoren. Zum Beispiel ist es wichtig, dass die Kommunikationsstrategie des Geschäftsführers einen roten Faden hat, der sich durch das Unternehmen zieht. Konsistenz und Sichtbarkeit in Bezug auf Kernbotschaften und Unternehmensprinzipien bauen Vertrauen auf.

Eine weitere Herausforderung besteht in der Geschwindigkeit, mit der sich alles ändert und dem daraus resultierenden Kontrollverlust. Laufend muss man sich auf neue Prozesse und Systeme einstellen. Neue Wege, die Aktivität innerhalb des Unternehmens zu messen, gehen Hand in Hand mit neuen, optimierten Geschäftsstrategien. Hinzu kommen Bewertungsplattformen – zum Beispiel Glassdoor, Kununu  und Google – auf denen Arbeitnehmer ihre Erfahrungen als Angestellte eines Unternehmens benoten und mit der Öffentlichkeit teilen können. So abschreckend und herausfordernd diese Form der Sichtbarkeit auf den ersten Blick wirken mag, sollte man trotzdem die passende Strategie dafür parat haben. Als Unternehmen muss man Veränderungen mit offenen Armen begegnen. Um hier zu bestehen, braucht man ein solides Fundament an Glaubwürdigkeit und der Schlüssel dazu ist Vertrauen.

Was ist Ihrer Meinung nach der häufigste Fehler, den man als Personalabteilung eines Unternehmens macht?

Das Personalmanagement wird generell immer besser. Das ist gut aber auch notwendig, weil wir uns hier parallel zu sozialen Ansprüchen und ständig wandelnden Umgebungsbedingungen bewegen. Allerdings sind mir über die Jahre ein paar häufig vorkommende Stolpersteine aufgefallen, darunter insbesondere die Bürokratie und unsinnig lange Prozesse. Das Personalmanagement ist manchmal nicht agil genug und stößt dort an seine Grenzen, wo es auf die Bedürfnisse der Menschen trifft. Familien und Individuen entwickeln sich schneller als Institutionen und Organisationen. So beschreibt es auch die Organisationstheoretikerin Lynda Gratton in ihrem Buch ‘The 100 Year Life’.

Ich würde es begrüßen, wenn mehr Unternehmen ihren Personalabteilungen größeres strategisches Gewicht zusprechen würden. Nur so können sie wirklich zur Wertschöpfung beitragen. Es steht außer Zweifel, dass Menschen der Schlüssel zum Erfolg eines Unternehmens sind. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Personalabteilungen in der Lage sind, ihr Möglichstes dafür zu tun, den Menschen, die das Unternehmen zum Erfolg führen, das bestmögliche Umfeld zu bieten. 

Ein weiterer häufiger Fehler sehe ich im Eifer, möglichst viele Arbeitsinstrumente und Prozesse zu installieren – ohne darüber nachzudenken, ob sie wirklich ihren Zweck erfüllen und effizient für das Unternehmen und seinen Erfolg sind.  
Welchen Rat geben Sie einem Unternehmen, das seine Arbeitgebermarke optimieren möchte?

Esther Roman: Werden Sie sich bewusst, was Sie verkaufen und hinter welchen Prinzipien Sie stehen. Das ist der einzige Weg zu nachhaltiger Glaubwürdigkeit als Arbeitgeber. Wenn Sie sich gerade über Ihre Markenbotschaft als Arbeitgeber Gedanken machen, ist das ein guter Zeitpunkt, um die zentralen Werte und die Kultur Ihres Unternehmens nochmals auf den Prüfstand zu stellen. Sagt Ihnen das Image, das Ihr Unternehmen ausstrahlt, zu? Falls nicht, ist es an der Zeit zu handeln.

Es ist enorm wichtig, dass die Menschen, die man einstellt, die Unternehmenswerte leben und widerspiegeln. Angestellte sind Markenbotschafter und in dieser Funktion wichtiger als jede Marketing-Kampagne.

Wenn man die übergreifende Kommunikation unserer Marken untersucht, erkennt man immer wieder dieselben Botschaften: Wir machen einen Unterschied. Wir sind leidenschaftlich. Wir legen Wert auf Entschlossenheit. Wir sind ein starkes Team. Und: Wir haben Freude an unserer Tätigkeit. Das sind unsere Unternehmenswerte, die wir Tag für Tag aufs Neue vorleben. 

Unser interner Kommunikationskanal, PageConnect, ist voll von kreativen Inhalten, Glückwünschen zum Geburtstag und vielem mehr. So sieht ein geselliges und gesundes Arbeitsumfeld aus.  

Fallen Ihnen spontan Initiativen ein, die bei den Mitarbeitern der PageGroup besonders gut angekommen sind? 

Bei der PageGroup gibt es das Versprechen, dass man unabhängig von Geschlecht, familiärem Hintergrund, Rasse und ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung und Behinderung dazu gehört. Unterstützend dazu haben wir ein Vielfalts- und Integrationsprogramm initiiert, das wir auch im Geschäftsleben kommunizieren. Um unser offenes Versprechen wahr werden zu lassen, pflegen wir Partnerschaften mit Organisationen und Institutionen und haben diverse Programme und Initiativen aufgelegt. Ein Beispiel, das insbesondere in Deutschland und Frankreich sehr populär ist, ist Family@Page. 

Flexibility ging in Kontinentaleuropa an den Start und stellt einen Meilenstein für die PageGroup dar, weil wir damit neuen Erwartungshaltungen begegnen. Mit dem Programm bieten wir unseren Mitarbeitern an, echte Eigenverantwortung zu übernehmen. Im Rahmen eines Zeitfensters können sie sich ihre Zeit selbst einteilen. Wir versetzen sie damit in die Lage, ihre bestmögliche Leistung abzurufen. Diese Richtung kommt bisher sehr gut an.

 

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